Vergleich Asiatische Hornisse (Vespa velutina) vs. heimische Hornisse (Vespa crabo)
Quelle: www.asiatischehornisse.ch
Warum wir keine Wespenfallen gegen die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) empfehlen
Viele suchen nach «Wespenfallen gegen die Asiatische Hornisse». Als Imkereifachgeschäft beziehen wir dazu klar Stellung: Wir bieten diese Fallen nicht als «Lösung» an, weil sie nach aktueller Datenlage im Frühjahr weder selektiv noch ausreichend wirksam sind – und dabei zahlreiche Nicht‑Zielinsekten schädigen können.
TLDR (Fazit)
Der Einsatz von Fallen im Frühjahr zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) ist umstritten. Eine Schweizer Datenauswertung mehrerer Studien kommt zum Schluss: Keine der getesteten Fallen war selektiv und wirksam genug. Pro gefangener Asiatischer Hornisse wurden im Durchschnitt sehr viele Nicht‑Zielinsekten mitgefangen (Beifang). Zudem zeigte sich in Feldbeobachtungen und Kampagnen: Das Fangen von Königinnen im Frühjahr führt nicht zuverlässig zu weniger Nestern im Sommer. Sinnvoller ist es, auf Monitoring/Meldung und die gezielte Entfernung von (Primär‑)Nestern durch zuständige Fachstellen zu setzen.
Warum Wespenfallen problematisch sind: mangelnde Selektivität
Viele Fallen arbeiten mit zuckerhaltigen Ködern (teilweise mit Bier/Wein sowie Zusätzen wie Hefe, Essig). Diese Köder können Asiatische Hornissen anziehen, locken aber gleichzeitig viele andere Insekten an.
In Schweizer Studien zeigte sich eine klare Hauptschwäche: die Vielzahl an Nicht‑Zielinsekten in den Fallen. Im Mittel wurden pro gefangener Asiatischer Hornisse rund 1298 Nicht‑Zielinsekten gefangen. Das betrifft zwar je nach Falle und Standort unterschiedliche Gruppen, aber der Kernpunkt bleibt: Der Beifang ist hoch.
Warum «Königinnen fangen» im Frühjahr oft wenig bringt
Die Idee dahinter: Wenn im Frühjahr Königinnen gefangen werden, entstehen im Sommer weniger Nester. In der Praxis ist dieser Effekt laut den beschriebenen Auswertungen und Erfahrungen jedoch stark begrenzt.
Der Hintergrund: Hornissenkolonien produzieren im Spätsommer viele potenzielle Jungköniginnen (Gynen). Ein Teil davon stirbt ohnehin durch Winter, Konkurrenz und schwierige Bedingungen im Frühjahr. Ob einzelne Königinnen zusätzlich in Fallen sterben, beeinflusst die künftige Nestzahl häufig nur wenig.
Zudem zeigen gross angelegte Fallenaktionen in der Praxis keinen verlässlichen «Nest-Stopp»: In dokumentierten Kampagnen wurden trotz Fallenfängen in der Folgesaison weiterhin (teils deutlich mehr) Nester gefunden.
Ökologie: Beifang ist nicht «nur» ein Nebeneffekt
Auch wenn Beifänge manchmal als «nur Fliegen» relativiert werden: Viele der in Fallen gefangenen Insekten übernehmen wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Zersetzung und natürliche Schädlingsregulation.
Eine pauschale Rechtfertigung über «Masse» (z. B. Vergleich mit dem Insektenverbrauch eines Hornissennests) ist problematisch, weil:
- eine gefangene Hornisse nicht automatisch «ein Nest weniger» bedeutet,
- die in Fallen gefangenen Insekten nicht zwingend denen entsprechen, die Hornissen erbeuten,
- neben der Menge auch die Rolle der betroffenen Arten im Ökosystem zählt.
Was wir stattdessen empfehlen
Beobachten, korrekt bestimmen und melden
Wenn du Vespa velutina vermutest:
- Foto/Video aus sicherer Distanz erstellen
- Datum und Standort notieren
- Meldung an die zuständige kantonale/regionale Stelle (Neobiota/Fachstelle) bzw. offizielle Meldewege
Nester durch Fachstellen entfernen lassen
- Die gezielte Entfernung von (Primär‑)Nestern gilt als der fokussiertere Ansatz als breit wirkende Fallen.
- Nester sollten nicht selbst entfernt werden.
FAQ
Sind Wespenfallen «vespa-velutina-spezifisch»?
Die ausgewerteten Studien zeigen: Nein. In der Praxis kommt es zu erheblichem Beifang. Die Fallen sind damit nicht ausreichend selektiv.
Gibt es Lockstoffe/Pheromone, die selektiv helfen?
Es wurden Pheromon‑Ansätze untersucht, die in Tests vor allem männliche Hornissen anziehen. Diese treten jedoch erst später in der Saison auf und sind damit für eine Frühjahrs‑Prävention zu spät.
Werden auch Honigbienen angezogen?
In mehreren Studien wurden Honigbienen in Fallen nachgewiesen, besonders zu Beginn der Saison, wenn noch wenige Nektarquellen verfügbar sind. Auch wenn Bienen in selektiveren Fallen teilweise wieder entkommen können, werden Risiken diskutiert (u. a. im Zusammenhang mit Köderbestandteilen).
Quellen / Literatur